Ausstellungen

Ostend – Blick in ein jüdisches Viertel

Displaced Persons – Vom DP Lager Föhrenwald nach Frankfurt am Main

Musik als Form geistigen Widerstande– Jüdische Musikerinnen und Musiker 1933 – 1945. Das Beispiel Frankfurt am Main.

Jüdisches Leben in Deutschland heute

Virtuelle Synagogen (in Vorbereitung)

 

 

Ostend – Blick in ein jüdisches Viertel

Eine Ausstellung des Jüdischen Museums Frankfurt in den Räumen der Initiative 9. November e.v. im Hochbunker Friedberger Anlage

Das Frankfurter „Ostend“ entwickelte sich östlich der Wallanlagen auf Garten- und Feldgelände. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts entstand hier ein Wohngebiet für Angehörige der Mittelschicht, die von Handel, Kleingewerbe und Handwerk lebten. Nach der Öffnung des Frankfurter Ghettos um 1800 war ein Großteil der jüdischen Bevölkerung bevorzugt in das Ostend gezogen. Viele Familien blieben in räumlicher Nähe zu bestehenden religiösen und sozialen Einrichtungen, koscheren Geschäften und der jüdischen Nachbarschaft. Ab 1850 entstanden auch neue Bauten der Jüdischen Gemeinde und der neu gegründeten IRG. Um 1895 war knapp die Hälfte der Ostend-Bewohner jüdisch. Unter nationalsozialistischer Herrschaft wurde jüdisches Leben systematisch zerstört. Ab 1938 zwang die Stadtverwaltung in Frankfurt verbliebene oder zugezogene Juden zwangsweise in „Judenhäuser“, die zuletzt meist im Ostend lagen. Ab Oktober 1941 wurden jüdische Frauen, Männer und Kinder gewaltsam zur Großmarkthalle gebracht und von dort in die von den Nationalsozialisten errichteten Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert. Nur sehr wenige Menschen überlebten die Schoa.

Führungen durch die Ausstellungen werden vom Jüdischen Museum veranstaltet, weitere Informationen dazu finden Sie hier.

 

Displaced Persons – Vom DP-Lager Föhrenwald nach Frankfurt am Main

Eine Ausstellung von Iris Bergmiller-Fellmeth und Elisabeth Leuschner-Gafga

Die Ausstellung nähert sich der Geschichte jüdi­scher Familien in Frankfurt in der Nachkriegszeit gewissermaßen »von unten«, ist also wesentlich aus Berichten, Familienfotos und -dokumenten der Zeitzeug*innen der zweiten Generation hervorgegan­gen. Die Ausstellung zeigt, wie neu gekommene jüdische Einwohnerinnen in der Waldschmidtstraße nicht zurückgekehrte Frankfurter, sondern Über­lebende aus dem Osten Europas waren, die nach etlichen Jahren vor allem im DP-Lager Föhrenwald, dem größten in der amerikanischen Besatzungszone, 1956/57 von bayerischen Behörden Frankfurt zugewie­sen worden waren. Keiner von ihnen hatte ursprüng­lich im Land der Täter bleiben wollen; aus gesund­heitlichen, finanziellen oder beruflichen Gründen war aber eine Auswanderung nicht ermöglicht worden. Nachdem 1951 die administrative Zuständigkeit für Föhrenwald gewechselt hatte, erlangte mit Theodor Oberländer als Staatssekretär für Flüchtlingsfragen ein Nazi der ersten Stunde und im Krieg in anti­semitische Mordaktionen involvierter Täter die poli­tische Oberhoheit über das jüdische DP-Lager. Seine Laufbahn in der jungen Bundesrepublik steht exem­plarisch für zahllose Nachkriegskarrieren gerade im Beamten- und Justizapparat.

Circa 30 Familien kamen zusammen mit ihren zum Teil in Föhrenwald geborenen Kindern in die beiden Wohnblöcke der Nassauischen Heimstätte im Frankfurter Ostend. Die Ausstellung geht den Fragen nach, wie die Kinder der Holocaustüberlebenden ihre Kindheit und Jugend erlebt haben? Wie war eine Integration möglich vor dem Hintergrund dessen, was die Eltern erlitten hatten und die Generation der Täter beharrlich beschwieg? Welche Entwicklungen halfen, dieses Schweigen zu durchbrechen und gegen härte­ste Widerstände Aufklärung zu leisten? Warum sind die Erinnerungen der Zeitzeug*innen der ersten und zweiten Generation wichtiger denn je?

 

Musik als Form geistigen Widerstandes – Jüdische Musikerinnen und Musiker 1933 – 1945. Das Beispiel Frankfurt am Main.

Eine Ausstellung von Joachim-Carlos Martini und Judith Freise

Mit umfangreichem Bild- und Textmaterial aus in- und ausländischen Archiven zeichnen Martini und Freise die Geschichte der jüdischen Musikerinnen und Musiker und ihrer In­stitutionen in Frankfurt am Main und ihrer Entrechtung in der NS-Zeit nach­. Nicht weniger werden aber auch die Versuche dokumentiert, der Verfolgung eigene Widerstandsformen entgegenzusetzen. Der erste Band um­fasst ein einzigartiges Bildmaterial mit Hunderten von Abbildungen, ergänzt um eine Fülle informativer Texte und Dokumente. Hinzu kommen zahlreiche Musikerbiografien. Der zweite Band versammelt eine große Auswahl von An­kündigungen, Artikeln, Rezensionen, Registern u.a.m., insbesondere aus dem Frankfurter Israelitischen Gemeindeblatt 1933-1938.

 

Jüdisches Leben in Deutschland heute

Eine Ausstellung von Rafael Herlich

Rafael Herlich erzählt in seinen Fotografien seine eigene Geschichte und die von Jüdinnen und Juden aus ganz Deutschland. Noch bis zum 24. November kann seine aktuelle Ausstellung im Hochbunker in der Friedberger Anlage besucht werden.

Rafael Herlich lebt und arbeitet seit 44 Jahren als Fotograf in Frankfurt. In die Stadt am Main kam er, nachdem er im Alter von 18 Jahren und noch in Israel lebend einen Anruf aus Deutschland erhielt: Sein Vater, den er bis dahin nicht kannte, wollte den Sohn nach all der Zeit endlich treffen. Herlichs Vater überlebte während des Nationalsozialismus das Konzentrationslager. Der erst zwei Monate alte Halbbruder und die neue Frau des Vaters wurden ermordet. Auch die Großeltern und weitere Familienmitglieder Rafael Herlichs kamen in verschiedenen Konzentrationslagern ums Leben. Heute verarbeitet der Fotograf diese Familiengeschichte in seinen Bildern, die derzeit im Hochbunker in der Friedberger Anlage zu sehen sind.

 

Synagogen in Deutschland – Eine virtuelle Rekonstruktion

3D-Simulation der Ausstellung im Hochbunker. © 2021 TU Darmstadt, FG Digitales Gestalten)

Anlässlich der Feierlichkeiten zu „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ möchten wir ab September 2021 die Synagogen-Ausstellung präsentieren. Die Ausstellung wurde vom Institut für Auslandsbeziehungen in Kooperation mit der Technischen Universität Darmstadt – Fachgebiet Digitales Gestalten entwickelt. Sie zeigt mit digitalen Technologien die virtuelle Rekonstruktion von mehr als 25 Synagogen, die zusammen mit vielen anderen 1938 im Novemberpogrom von Nationalsozialisten zerstört wurden. Diese weltweit gezeigte Ausstellung wird zukünftig auf Dauer in unserer Erinnerungs- und Begegnungsstätte beheimatet sein.

Ziel der Ausstellung ist es, mit der Visualisierung der Synagogen den kulturellen Verlust und die städtebauliche Bedeutung der zerstörten Bauwerke zu veranschaulichen und die kulturelle Blüte jüdischer Gemeinden zu zeigen. Die Ausstellung führt die Besucher unweigerlich zu der Frage, warum es diese Bauwerke und ihre Gemeinden nicht mehr gibt. Geschichte wird durch emotionale Momente nähergebracht. Die digitalen Bilder vermögen Barrieren des Kennenlernens jüdischer Kultur abzubauen – der meist unbekannte Raum einer Synagoge kann auf diese Weise mit Virtual Reality erkundet werden.

Im ersten Teil werden der damalige gesellschaftliche und politische Kontext sowie das Ausmaß der Zerstörung gezeigt. Im zweiten Teil vermitteln Projektionen, Animationen und Virtual-Reality die zerstörte Pracht der Gotteshäuser. Ihre Architektur und Geschichte können Besucher:innen zusätzlich an Bildschirm-Arbeitsplätzen selbst erkunden.

Die Ausstellung richtet sich v.a. an Jugendliche und junge Erwachsene sowie alle Interessierte von Nah und Fern. Geplant sind fachkompetente Führungen.

Wir danken dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, dem Kulturamt Frankfurt am Main, der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, der Stiftung Citoyen sowie den vielen privaten Spendern für ihre großzügige Unterstützung. Dank der guten Zusammenarbeit vom Amt für Bau und Immobilien der Stadt Frankfurt und der Initiative 9. November e.V. konnte durch umfassende Brandschutzmaßnahmen die Nutzung des 2. Obergeschoss realisiert werden.